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Reisen -

Reisen und Nachhaltigkeit auf einem Blog? Entscheid dich mal!

Manchmal werde ich gefragt wie ich durch die Welt reisen, aber über Umweltthemen und Nachhaltigkeit schreiben kann. Als Umweltschützer sollte man doch am besten versuchen, nicht nur alles zu reduzieren, sondern als erstes zu verzichten. Und genau da widerspreche ich! Wieso? Erfahre mehr ...

Wie geht das? Wie kann man Weltenbummler und gleichzeitig Umweltschützer sein? Wie kann man über Reisen in Thailand oder Roadtrips in den USA berichten, wenn man nebenbei die Kategorie "Nachhaltigkeit" auf dem Blog vertritt? Für mich ist es ein besonderes Anliegen, genau diese Fragen zu klären und Antworten zu geben. Ich wurde erst einmal direkt darauf angesprochen, aber ich glaube oder kann mir vorstellen, dass sich das mehrere Leute fragen. Ich danke der Person sehr, die mir eine nette Nachricht geschrieben und mich gefragt hat, wie ich beides mit gutem Gewissen kombinieren kann.

Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich nicht dahinter stehe, wenn jemand sagt "Als Umweltblogger muss man auf alles Schlechte verzichten!" Natürlich geben wir eine Vorbildfunktion ab und wollen vor allem zeigen, wie man einiges besser machen kann. Wir wollen zum Nachdenken anregen und Leuten Tipps zusammenstellen, um Nachhaltigkeit leichter im Alltag zu integrieren. Das heißt für mich aber nicht, dass ich mein Leben von 0 auf 100 umstellen muss und kann. Jeder Prozess dauert und beginnt mit kleinen Schritten und genauso ist das auch bei mir. Nur weil ich Umweltgeographie und -management studiere, mich dafür sehr interessiere und sowohl im "Reallife" als auch in Social Media Kanälen dafür einsetze und Wissen verteile, welches ich glücklicherweise im Studium erlernen kann, heißt das nicht, dass ich zu 100% ökologisch lebe, denn da gehört viel mehr dazu als auf Plastiktüten und To-Go-Becher zu verzichten. Darum geht es auch meiner Meinung nach nicht. Es geht darum, mit kleinen Schritten zu einer besseren und vor allem ursprünglichen Natur und Welt zu verhelfen und dabei möchte ich meinen Lesern auch nicht raten von jetzt auf gleich auf alles zu verzichten, denn so geht das nicht! So wird niemand etwas durchziehen und aus lauter Trotz alles hinwerfen und stur weitermachen wie bisher. Für mich geht es darum, Schritt für Schritt besser zu werden.

Ich habe meinen Konsum, was vor allem Dekoartikel und Kleidung angeht bemerkbar reduziert. Ich versuche mehr Second Hand zu kaufen, anstatt Neues zu besorgen. Ich achte bei meinen Lebensmittel darauf, wo sie herkommen, versuche mich zum Großteil regional und saisonal zu ernähren, achte besonders bei meinem Kaffeekonsum auf gute und nachhaltige Qualität, reduziere meine Müllproduktion und verzichte mehr auf Plastik als nur auf Plastiktüten, fahre Fahrrad und das wichtigste: ich hinterfrage Dinge, die meist für selbstverständlich gehalten werden und gebe mein Wissen weiter!

Side, Türkei
Krka, Kroatien

Beim Thema Reisen muss man meiner Meinung nach nicht verzichten, nur weil man sich gleichzeitig für die Umwelt einsetzt. Es gibt verschiedene Wege, sich auch unterwegs nachhaltig zu verhalten und umweltfreundlich zu erkunden. Für mich gehört Reisen vielmehr dazu, sodass ich mich gar nicht entscheiden muss. Reisen hilft, Situationen zu verstehen und den Willen zu stärken, die Situation zu verbessern.

Wie Nachhaltigkeit und Reisen zusammenpassen

Wer reist, lernt Neues kennen. Man erkundet neue Orte, entdeckt einzigartige Landschaften, wundervolle Natur und vor allem lernt man neue Leute und Kulturen kennen. Auf meinen Reisen buche ich kein Pauschalpaket und hänge von morgens bis abends am Pool herum, lasse mir den Bauch mit dem All-Inclusive-Angebot vollschlagen und trinke und feiere bis zum Abwinken. Ich erkunde, lerne und beobachte.

Augen öffnen - Wir leben im Luxus

Reist man durch Entwicklungsländer, so wird einem mit einem Schlag bewusst, in welch einem Luxus wir leben, wie gut wir es hier haben und wie glücklich wir sein sollten. Besonders als ich nur mit meinem kleinen Rucksack durch Thailand gereist bin, ist mir klar geworden, wie viel überflüssige Dinge man Zuhause hat. In welch einer Konsumgesellschaft wir leben und wie leicht und vor allem befreiend es ist, weniger zu besitzen. Ich habe ein neues Gefühl dafür bekommen, Dinge zu konsumieren. Wenn ich einen Pullover sehe, ihn toll finde, frage ich mich erstmal "Wie oft ziehst du ihn an? Wirst du ihn auch nächstes Jahr noch tragen, wenn er evtl. gar nicht mehr modern ist?" Meist ist die Antwort klar und er kommt nicht in den Beutel.

Kennen, lieben und schützen lernen

Ich verwende immer wieder gerne den Satz nach Konrad Lorenz "Nur das, was der Mensch kennt, lernt er lieben und schützen!" Für mich sagt er einiges aus. Wir können nichts lieben, was wir nicht kennen und wir werden nichts schützen, was wir nicht lieben. Wer reist, lernt neue Landschaften, einzigartige Natur, besondere Orte, beeindruckende Bauten und andere Menschen kennen. Besonders auf meinem Roadtrip in den USA habe ich in 2 Wochen so viele verschiedene Landschaftstypen gesehen wie nie zuvor. Ich war dort als Studentin auf einer Exkursion unterwegs. Wir waren nicht da, um Urlaub zu machen oder Punkte auf der Bucketlist abzuhaken, wir waren dort, um die Natur zu entdecken, zu beobachten, zu studieren, Geologie zu bewundern, Naturprozesse zu erklären, Geographie live zu erleben, aber auch um Stadtplanungen wie die in Las Vegas oder Eingriffe in die Natur wie die im Colorado River zu hinterfragen! Auch in Asien, aber auch in Deutschland und Südeuropa habe ich Landschaften gesehen, die ich in mein Herz geschlossen habe. Je mehr wir entdecken und lieben lernen, desto dringender ist das Bedürfnis, all diese Landschaften zu schützen. Wir lernen die Probleme Vorort kennen und können Zuhause handeln. Der Wassermangel in der Wüste z.B. lässt mich den Wert des sauberen Trinkwassers viel mehr schätzen. Unser Konsum hat zu oft Einfluss auf Natur und Menschen in der Ferne. Genau das sollte uns immer bewusster werden und das wird es, wenn wir die Dinge mit eigenen Augen sehen und lernen, sie zu verstehen.

Langkawi, Malaysia
Peniche, Portugal

Augen öffnen - Andere Kulturen, andere Menschen

Reisen ermöglicht es den Menschen, andere Kulturen, Lebensweisen, -umstände anderer Menschen kennenzulernen. Natürlich sollte man von vorneherein aufgeschlossen sein und sich auf die Situationen Vorort einlassen und sich anpassen. Ich finde es besonders wichtig zu lernen, dass es auch andere Kulturen auf dieser Welt gibt. Menschen, die anders leben, andere Prioritäten haben, anders hausen, sich anders ernähren oder sich einfach anders geben und kleiden. Und dabei heißt anders nichts Schlechtes! Manchmal sind wir so fixiert auf unsere Werte und Normen, dass wir ganz vergessen, dass es auch Kulturen gibt, in denen Dinge nicht so laufen wie bei uns und das heißt lange noch nicht, dass sie nicht so gut sind wie die unserer Kultur. Manchmal habe ich sogar das Gegenteil gelernt. Während wir hier teilweise mit Scheuklappen durchs Leben laufen, gesellschaftlichen Normen und Regeln folgen, vergessen wir oft, was im Leben wirklich zählt. Liebe, Gesundheit, Zufriedenheit. Italien, Spanien und Portugal zeigten mir wie wichtig es ist, die Familie immer an erster Stelle zu sehen. Das Leben zu nehmen, wie es kommt und es zu genießen. ¡Siesta! sage ich da nur (natürlich sollten wir unseren Fleiß und unsere typisch deutsche Pünktlichkeit trotzdem nicht ganz außen vor lassen). Die Thais zeigten mir, dass wir nicht viel benötigen, um glücklich zu sein und dass wir manchmal nicht so spießig sein sollten. Ich finde, dass man immer von anderen Kulturen lernen kann, dass man weltoffener wird und die Sicht auf viele Dinge verändert, wenn man reisen geht.

Red Rock State, USA
Koh Chang, Thailand

Reisen ermöglicht einem, den Menschen und der Natur Vorort vieles, wenn man es richtig anstellt. Natürlich gibt es auch Reisen -und davon leider viel zu viele-, die von Nachhaltigkeit sehr weit entfernt sind. Wenn man aber auf einige Dinge achtet, sich vorher informiert, sich während des Aufenthaltes für die Gegebenheiten im Reiseland interessiert und achtsam reist, kann das Reisen auch oder gerade für eine Umweltbloggerin wie mich mit gutem Gewissen ermöglicht werden. Meine Tipps zum nachhaltigen Reisen erfahrt ihr im nächste Beitrag, da dieser sonst den Rahmen sprengen würde.

Mein Appell an dich und an all meine lieben Leser: Reisen und Nachhaltigkeit sind kombinierbar! "Nur das, was wir kennen, können wir lieben und nur das, was wir lieben, werden wir schützen!" Alles sollte immer im Verhältnis stehen und in Maßen stattfinden. Wir sollten immer und überall Dinge hinterfragen, Wissen vermitteln, helfen, Hilfe annehmen, Neues probieren und uns auf manches Fremdes einlassen. Globalisierung bedeutet vernetzen, aber eine Vernetzung muss nicht nur digital entstehen. In diesem Sinne, habt eine tolle Woche voller schöner Begegnungen, Erfahrungen und Erlebnissen. Nehmt nichts als selbstverständlich hin, seid achtsam mit euch und der Natur und vor allem gesund und glücklich! Eure Laura

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