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Erdbeeren aus Spanien, Marokko, Andalusien? - Warum die Vorfreude unbedingt bis Mai anhalten sollte!

Ich kann mich daran erinnern, dass sich noch in meiner Kindheit alle freuten, wenn die Erdbeersaison im Mai anfing und der Sommer somit unmittelbar bevorstand. Die Tage wurden länger, die Abende heller und die Luft wärmer. Mit Oma und Opa gab es am Wochenende einen Ausflug zum Erdbeerhof. Zwei drei große Körbe und das Pflücken und Schlemmen konnte losgehen. Heute kann man in den Discountern fast zu jeder Jahreszeit Erdbeeren kaufen. Sie schmecken nicht nur wässrig und fad, sie haben auch einen langen Weg mit Folgen hinter sich gelegt.

Wenn mir jemand sagt, dass er keine Erdbeeren mag, weiß ich gar nicht wie ich reagieren soll. Wie kann man diese wunderbare, hübsche, rote Frucht nicht mögen?! Die meisten Leute verschlingen sie mit Genuss und am liebsten so oft es geht. Doch was steckt eigentlich hinter den Erdbeeren, die wir im Discounter kaufen können? Wie kommen die Früchte im Winter in den Supermarkt?

Kaum jemanden ist bewusst, was und wen man unterstützt, indem man die Beeren aus Spanien oder Marokko in der Plastikverpackung im Discounter kauft. Ich gebe zu, dass ich vor nicht all zu langer Zeit ebenfalls im Supermarkt zugeschlagen und mich über die günstigen Preise gefreut habe. Seit ich mich aber mit dem Thema Nachhaltigkeit noch intensiver beschäftige und einige Dinge mehrmals hinterfrage, wird mir immer öfter bewusst, dass wir vieles nicht wissen und auch einfach ignorieren. Wir gehen in den Supermarkt, kaufen unsere gewohnten Sachen ein und gehen wieder nach Hause. Kaum jemand fragt sich woher die Sachen stammen und was oder wer dahinter steckt. Damit möchte ich niemanden verurteilen, ich möchte lediglich zum Nachdenken anregen und Informationen darüber geben, wie es sein kann, dass Erdbeeren zu fast jeder Jahreszeit zu kaufen sind.

Erdbeeren aus Marokko und Spanien

Laut Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei ist Marokko der 5. größte Erdbeer-Exporteur der Welt. Allein in der Saison 2013/14 vertrat das Land knapp 72% des Weltmarktes. 95% der marokkanischen Erdbeeren werden nach Europa exportiert. Auch Spanien gilt als Hauptexporteur der roten Köstlichkeit. Beide Länder haben aber vor allem eins gemeinsam: Wassermangel! 80-90% des verbrauchten Frischwassers in Marokko wird nur für die Bewässerung der landwirtschaftlichen Exportgüter genutzt. Auch in Spanien mangelt es seit Jahren an Niederschlägen. Dürre und Hitze dominieren den Mittelmeerraum und lassen den Grundwasserspiegel sinken. Trotzdem wird immer mehr Wasser mithilfe von Brunnen aus dem Boden gepumpt, um damit unter anderem den Erdbeeranbau zu bewirtschaften. Doch nicht nur der große Wasserverbrauch schadet der Umwelt Vorort.

Betrachtet man Luftbilder aus den Anbauregionen, so findet man riesige Plastikfelder vor. Wegen der zu starken Sonneneinstrahlung werden die Acker mit großen Plastikdächern versehen, die alle 2,5 Jahre erneuert werden müssen. Allein in Andalusien entstehen jede Saison knapp 40.000 Tonnen Plastikmüll, die entweder aufgrund von mangelnder Kompostier- und Recyclinganlagen vielerorts vor sich hin gammeln oder zum Recyclen in die USA verschifft werden. CO² Bilanz lässt grüßen! Doch auch die Anbaufläche musste erst "optimiert" werden. An die 2000 Hektar Wald fielen dem Anbau zum Opfer und dabei wird es nicht bleiben. Die Regionen wollen mehr, um mithalten zu können! Preise werden gedrückt, die Erdbeeren aus Nordafrika werden immer billiger verkauft, also müssen Spanien und Andalusien mitziehen. Kleinbauern haben dabei keine Chance mehr und müssen ihre Existenzgrundlage auf- und an große Betriebe übergeben. Eine Überproduktion ist die Folge. Im Gegensatz zu Bananen halten sich Erdbeeren aber nur 5 Tage nach der Ernte. Die Zeit rennt, um die Früchte möglichst frisch auf den Markt zu bringen. 2005 mussten 30% der Ernte in Huelva aufgrund von Schimmel und Überreife weggeworfen werden. 

Pestizide, die den Boden auf lange Sicht unfruchtbar und das Grundwasser unbrauchbar machen, und schlechte Arbeitsbedingungen mit Hungerlöhnen Vorort vervollständigen das Bild des Anbaus der leckeren, roten, perfekt geformten Erdbeere aus Marokko und Spanien. Wo einst Pinienbäume wuchsen, prägen nun große Plastik-Erdbeer-Plantagen die Landschaft. Die andalusischen Bauern bewirtschaften ihre Felder schon lange nicht mehr nur im Frühling. Gastarbeiter, vor allem aus Afrika, schuften mehrmals im Jahr, um uns mit Erdbeeren zu beliefern.

Wo und wann sollte man Erdbeeren kaufen?

Spätestens jetzt sollte man sich doch die Frage stellen, ob es sich nicht doch eher lohnt, die Vorfreude auf Erdbeeren bis Mai zappeln zu lassen, um die heimischen Früchte dann aus Pappschachteln in den süßen Verkaufsstellen an der Straße oder direkt am Feld mit eigenem Körbchen bis Juli kaufen und genießen zu können. Auch einige Supermärkte bieten in der Saison heimische Erdbeeren an. Zu erkennen sind diese auf dem ersten Blick an der Verpackung. Deutsche Erdbeeren werden meist in Pappschachteln verkauft. Man sollte die Herkunft aber immer nochmal kontrollieren und das Schildchen lesen. In Schleswig Holstein ist der landwirtschaftliche Betrieb Hornbrooker Hof sehr bekannt für seine Erdbeeren, die man in den besagten Erdbeerbuden kaufen kann. Generell gilt es darauf zu achten, dass die Frucht aus der Nachbarschaft und aus (biologischem) Freilandbau stammt. Optimal ist natürlich auch die Ernte vom eigenen Anbau im Garten, auf dem Balkon oder aber auch in den eigenen vier Wänden. Urban Gardening nimmt immer größere Formen an und ist neben dem nachhaltigen Aspekt auch total hip! Ich empfehle hierbei immer noch mit gutem Gewissen das Kieler Unternehmen Rankwerk, bei dem man nachhaltiges Bio-Saatgut kaufen kann.

Saisonale und regionale Früchte mit Geschmack, statt in Plastik verpackte Erdbeeren, die einen weiten Weg und ökologisch und sozial schwerwiegende Folgen in den Anbauregionen mit sich ziehen. Der Geschmack des Sommers ist viel Mal besser, wenn man ihn mit gutem Gewissen genießen kann. Nur noch knapp 3 Wochen, dann stehen die Erdbeerbuden schon bei uns vor der Tür! Warten lohnt sich, denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude!

Eure Laura

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